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Robert Jungk Bibliothek | Die Politik des Erhabenen und Schönen

Seit jeher schlägt Schön­heit die Men­schen in ihren Bann. Sel­bi­ges gilt auch für das Erha­be­ne. Es kann daher nicht ver­wun­dern, dass es eine jahr­tau­sen­de­al­te Bezie­hung zwi­schen Ästhe­tik und Macht gibt. 

Seit den frü­hen Hoch­kul­tu­ren hat­te die Legi­ti­ma­ti­on poli­ti­scher Auto­ri­tät stets auch eine ästhe­ti­sche Dimen­si­on, gal­ten doch nach klas­si­scher Auf­fas­sung das Schö­ne und das Gute als mit­ein­an­der iden­tisch. Die uns erhal­te­nen Skulp­tu­ren und Bau­wer­ke der Anti­ke und des Mit­tel­al­ters legen noch heu­te stei­ner­nes Zeug­nis von die­ser Auf­fas­sung ab; ihre For­men­spra­che erwies sich bis weit in unse­re Zeit hin­ein als stil­bil­dend. Dass die Ästhe­tik zudem ein Mit­tel sein kann, Men­schen sprich­wört­lich zu fes­seln und den eige­nen Macht­an­spruch zu sym­bo­li­sie­ren, wuss­ten auch die revo­lu­tio­nä­ren und tota­li­tä­ren poli­ti­schen Bewe­gun­gen der Moder­ne; in deren Selbst­dar­stel­lung spiel­te nicht zufäl­lig die Kunst eine Schlüsselrolle. 

Der bei­spiel­lo­se poli­ti­sche Miss­brauch des Erha­be­nen und Schö­nen im 20. Jahr­hun­dert hat die Skep­sis gegen­über einer „Ästhe­ti­sie­rung der Poli­tik“ (Wal­ter Ben­ja­min) genährt. Der häu­fig dar­aus resul­tie­ren­de ideo­lo­gie­kri­ti­sche Gene­ral­ver­dacht gegen­über jeg­li­cher Ver­bin­dung von Poli­tik und Ästhe­tik lässt jedoch eine poli­tisch gefähr­li­che „ästhe­ti­sche Lücke“ (Richard Niko­laus Cou­den­ho­ve-Kal­er­gi) ent­ste­hen und schwächt die Abwehr derer, die das Schö­ne heu­te gegen die Logik der „tota­len Öko­no­mie“ (Wen­dell Ber­ry) ver­tei­di­gen wol­len. Wer näm­lich die poli­ti­sche Bedeu­tung der Ästhe­tik allein auf die Gefahr ihrer tota­li­tä­ren Instru­men­ta­li­sier­bar­keit redu­ziert, ver­kennt, dass es seit der Roman­tik auch frei­heits­lie­ben­de Denk­tra­di­tio­nen gibt, die das Erha­be­ne und Schö­ne gera­de nicht in den Dienst der Poli­tik, son­dern umge­kehrt die Poli­tik wie­der in den Dienst der Schön­heit stel­len wollen.

Impuls: Mario Win­ter­stei­ger, Uni­ver­si­tät Salzburg


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